Werner Tenschert beendet seine Karriere - Ein Porträt von Manfred Jörg in der Memminger Zeitung

15. Mai 2021

Werner Tenschert hat schon Eishockey gespielt, als es am Hühnerberg noch gar keine Halle gab. Mehr als 30 Jahre lang coachte er erfolgreich Memminger Eishockey-Mannschaften. Die Frauen des ECDC haben mit ihm ihre größten Triumphe gefeiert. Jetzt hört er auf

Wir bedanken uns bei der Memminger Zeitung und Manfred Jörg für die zur Verfügungsstellung des Beitrags vom 14.05.21

„Ich war seit 1989 mehr als drei Jahrzehnte Eishockey-Trainer. Es hat mir immer Spaß gemacht. Aber jetzt reicht es einfach.“ Werner Tenschert sagt das ganz entspannt und lächelt zufrieden. Er hat keinen Grund, im Zorn zurückzublicken. Warum auch? Verbindet sich mit dem 62-Jährigen doch die erfolgreichste Phase des Memminger Frauen-Eishockeys. Seit 2013, als Tenschert das Team von seinem Vorgänger Frieder Schüle übernommen hatte, wurden die Frauen des ECDC Memmingen unter anderem dreimal Deutscher Meister. Vor Kurzem hat Tenschert bekannt gegeben, dass er aufhört (die MZ berichtete).

„Alles was wir erreicht haben, alle Erfolge, aber auch die sportliche Entwicklung der Mannschaft, das haben wir zusammen mit Werner geschafft“, betont Teammanager Peter Gemsjäger.

Dabei war es anfangs gar nicht so klar, dass das Memminger Eishockey-Urgestein Tenschert die Frauen-Mannschaft der Indians übernehmen würde. Denn er hatte 2013 schon eine lange Karriere am Memminger Hühnerberg hinter sich. Tenschert gehört zu dieser Generation der Hühnerberg-Legenden, die in den Siebziger- und Achtzigerjahren noch unter freiem Himmel für den SC Memmingen auf Torejagd gingen. „Eine Saison habe ich dann noch in der Eissporthalle gespielt“, blickt Werner Tenschert zurück. Zur Erinnerung: Die Halle wurde 1987 eröffnet.

Viermal Werner Tenschert (von links oben, weiter im Uhrzeigersinn): bei der obligatorischen Dusche als frisch gebackener Deutscher Meister, mit dem Pokal, als Aktiver beim SC Memmingen (auf dem Bild rechts) und als Trainer. Fotos: Zwibel (3), Tenschert

Nachdem Spieler Tenschert seine Schlittschuhe an den Nagel gehängt hatte, begann er seine Karriere als Coach. „Ich habe im Lauf der Jahre im Nachwuchs alles trainiert“, sagt er. Außerdem war er auch immer wieder Hauptverantwortlicher oder Co-Trainer des Memminger Männerteams. Es gab sogar Phasen, in denen er die aufreibende Doppelbelastung als Coach von zwei Teams auf sich nahm.

Das war alles vor 2013. Was dann folgte, beschreibt Peter Gemsjäger wie folgt: „Ich hatte Werner schon in den Vorjahren immer wieder gefragt, ob er sich nicht vorstellen könnte, unsere Damen-Mannschaft zu trainieren. Ich habe ihm auch immer wieder gesagt: Mit Dir werden wir Deutscher Meister.“ Tenschert fühlte sich geschmeichelt. „Trotzdem hatte ich Bedenken und habe mich gefragt: Ist das wirklich das Richtige für mich?“ Nach zahlreichen Gesprächen mit seiner Frau und seinen beiden erwachsenen Kindern entschied er sich, das Damen-Team zu übernehmen – und hat das nie betreut. Dennoch: Obwohl sein Name für immer mit der bislang erfolgreichsten Ära des Memminger Frauen-Eishockeys verbunden sein wird, verspürte Werner Tenschert „gewisse Abnützungserscheinungen“. Das sei nach mehr als 30 Jahren ganz normal, sagt er. „Ich hatte mir immer vorgenommen, mit 60 ’mal Bilanz zu ziehen. Denn ich wollte ja nicht noch als Greis an der Bande stehen.“

Dazu kam – da macht Werner Tenschert keinen Hehl daraus – dass es gerade auch in der vergangenen Saison immer wieder Reibereien mit Spielerinnen gegeben habe. „Das hört sich schlimmer an, als es war. Es gab halt immer wieder Meinungsverschiedenheiten, was die Gestaltung des Trainings oder die Zusammenstellung der Reihen für ein Spiel anbelangte.“

Tenschert betont: Das sei ganz normal, nichts Dramatisches. Aber: In den vergangenen Jahren habe er ohnehin nur noch von Spielzeit zu Spielzeit geplant. „Meine Motivation ist jedes Jahr um ein paar Prozent geschrumpft. Deswegen habe ich mich auch jetzt wieder gefragt: Reichen die Prozente noch aus für eine weitere Saison?“

Die Antwort lautete: Nein. „Es war ein schleichender Prozess, der sich über Jahre hingezogen hat“, sagt Tenschert. Also traf er eine Entscheidung. Seine Entscheidung. Ohne Druck von außen. Denn er muss niemandem mehr etwas beweisen. Nein, das hat er jahrzehntelang am Hühnerberg gemacht. Als Spieler und als Trainer. Hat dabei große Erfolge gefeiert und viel für den Eishockey-Standort Memmingen getan – wie auch sein Sohn Tim.

Erfolge und Erinnerungen

Was bleibt, sind nicht nur Erfolge, sondern auch Erinnerungen. Zum Beispiel an die Auswärtsfahrten nach Berlin, bei denen es immer ein Rahmenprogramm gab. Mal wurde der Reichstag besichtigt, mal gab es eine Bootsfahrt auf der Spree. Gerne denkt Tenschert auch an die Abschlussfahrten mit dem Team zurück, etwa ins Tannheimer Tal; oder auch an die Empfänge bei Ministerpräsident Markus Söder sowie an die Meisterschaftsfeiern auf dem Balkon der Memminger Großzunft. Und, und, und …. Werner Tenschert ist mit sich im Reinen. Er verlässt die ECDC-Frauen im Guten, „aus freien Stücken“, wie er sagt. Deswegen kündigt er jetzt schon an: „Natürlich wird man mich auch weiterhin in der Eissporthalle erleben. Ich will doch schließlich sehen, wie alles weitergeht.“ Der erfahrene Trainer sieht das Frauen-Eishockey jedenfalls auf einem guten Weg. Wie gut das Verhältnis zwischen Werner Tenschert und Peter Gemsjäger ist, drückt sich in diesem augenzwinkernden Satz des Teammanagers aus: „Werner bekommt auf jeden Fall eine Platin-Eintrittskarte mit Goldrand.“ Denn er hat viel für das Memminger Eishockey getan.

Empfang bei Memmingens OB Manfred Schilder - auf dem Balkon der Memminger Großzunft

Nun geht Werner Tenschert. Und wer kommt? Da setzt Peter Gemsjäger sein undurchdringliches Pokerface auf. Lässt dann aber doch durchsickern, dass er derzeit Gespräche mit zwei Kandidaten führe. Einer von beiden, der offensichtlich die besseren Karten hat, war auch schon als Coach in einem Nachbarland aktiv. Gemsjäger ist zuversichtlich, womöglich noch im Mai seinen Namen bekannt geben zu können.

Ruheständler Werner Tenschert muss sich damit nicht mehr beschäftigen. Er ist raus. Und es geht ihm gut dabei. Der ehemalige Bundeswehr-Soldat war immer ein Eishockey-Verrückter – und wird das auch bleiben. Aber nicht mehr an vorderster Front. Er zieht sich zurück. Und hat künftig mehr Zeit für die Familie, für seine beiden Enkelkinder. Aber auch für seine Tennis-Partner. Und wer weiß, vielleicht bricht Werner Tenschert mit 62 noch einmal zu neuen Ufern auf. In seinem Hausgang jedenfalls steht eine gebrauchte Golf-Tasche mit Schlägern. „Die hat mir mein Sohn hingestellt“, erzählt Tenschert.

Er macht eine kleine Pause und sagt dann: „Vielleicht fange ich jetzt ja damit an.“

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